ANBIETER

Orthopädie

Heute stehen eher die durch Über- bzw. Fehlbelastungen, Bewegungsmangel, falsche Ernährung oder Stoffwechselstörungen erworbenen Erkrankungen des Bewegungsapparates im Vordergrund der medizinischen Maßnahmen. Mit zunehmendem Alter und zusätzlich vorkommenden Risikofaktoren ist z.B. die Arthrose oder Schwächung des Hüftgelenks ein häufiger Operationsgrund. Dieses große Organsystem ist äußerst anfällig für angeborene oder erworbene Fehlfunktionen und Degenerationen.

Diese Erkrankung geht zumeist mit großen Schmerzen einher und macht es vielen Betroffenen beinahe unmöglich, noch am normalen Alltagsleben teilzunehmen.

Die Orthopädie befasst sich mit der Untersuchung und Behandlung aller Formveränderungen oder Erkrankungen des menschlichen Stütz- und Bewegungsapparates. Hierzu gehören Knochen, Gelenke, Muskeln und Sehnen. Die wichtigsten orthopädischen Operationen sind:
- Künstliches Kniegelenk
- Hüftgelenkersatz
- Schultergelenkersatz
- Bandscheibenprothese
- Vertebroplastie




Künstliches Kniegelenk
Das Kniegelenk sorgt dafür, dass wir aufrecht stehen und gehen können. Es ermöglicht große Beweglichkeit bei optimaler Standfestigkeit. Doch auch Gelenkverschleiß durch Alter oder Überbeanspruchung, Unfälle sowie angeborene Fehlstellungen der Knochen können die Ursache dafür sein, dass das Kniegelenk nicht mehr uneingeschränkt funktioniert. Da Gelenkerkrankungen zumeist mit starken Schmerzen einhergehen, bedeutet dies auch eine enorme Einschränkung in der Lebensqualität der Betroffenen.

Dank des medizinischen Fortschritts auf dem Gebiet der Orthopädie ist es heute aber möglich, ein Kniegelenk komplett oder teilweise zu ersetzen. Die Beweglichkeit des Knies kann durch ein künstliches Kniegelenk wiederhergestellt werden, die Betroffenen gewinnen ihre Lebensqualität zurück. Je nach Art und Umfang der Zerstörung des Kniegelenks unterscheidet man Verfahren, bei denen nur die Gelenkoberfläche ganz oder teilweise (Innenseite) ersetzt wird, vom vollständigen Gelenkersatz, wenn das gesamte Kniegelenk durch den Verschleiß zerstört ist.

Eine gründliche Voruntersuchung mit Röntgenbildern ist daher unerlässlich, um die bestmögliche Art des Knie-Gelenkersatzes zu ermitteln. Am Tag vor der Operation erfolgt routinemäßig eine Blutabnahme.

Patienten sollen etwa 2-3 Wochen vor der Operation auf blutgerinnungshemmende Medikamente wie Aspirin verzichten. Außerdem sollten sie Abstand vom Alkohol- und Nikotingenuss nehmen.

Normalerweise wird der Eingriff unter Vollnarkose vorgenommen. Je nach Umfang der Operation kann auch auf eine Teilnarkose zurückgegriffen werden. Die Dauer des Einriffs beträgt etwa 1,5 bis 2,5 Stunden.
Das endgültige Ergebnis und die Haltbarkeit des neuen Kniegelenks hängen entscheidend von der Nachbehandlung ab. Noch im Krankenhaus lernen Sie mithilfe von Physiotherapeuten, Ihr neues Gelenk zu gebrauchen.




Hüftgelenkersatz
Der altersbedingte Gelenkverschleiß, Ernährung, persönliche Lebensumstände oder auch vererbte genetische Dispositionen können zu einer allmählichen Schwächung des Hüftknochens führen. Durch den Einsatz von Implantaten kann ein schmerzendes, defektes Hüftgelenk durch eine hoch funktionelle, langlebige Hüftprothese ersetzt werden.

Die Hüftprothese besteht dabei aus drei Teilen: einem Schaft, einem Kopf, sowie einer Gelenkpfanne. Die einzelnen Teile gibt es in verschiedenen Größen und Anfertigungen und werden den jeweiligen Körperproportionen ganauestens angepasst. Zumeist besteht der Schaft aus Titan oder aus Kobalt-/Chrom-basiertem Material, der Gelenkkopf aus keramischen oder ebenfalls aus Kobalt-/Chrom-basiertem Material und die künstliche Gelenkpfanne aus metallischem Polyethylen.

Das gesamte System kann durch Zement im Knochen fixiert werden, jedoch gibt es heute auch zementfreie Prothesen. Bei einer komplett zementierten Prothese können Sie die unteren Gliedmaßen wieder voll belasten und in der Regel auch schon sehr bald ohne Gehhilfen gehen. Die Rehabilitationsphase ist kürzer. Implantate, die ohne Zement fixiert werden, sind in der Regel größer und länger. Ihre spezielle Oberfläche ist für die Bildung neuer Knochensubstanz förderlich. Weil die Fixierung dieser Implantate von der Bildung neuen Knochenmaterials abhängt, dauert der Heilungsprozess länger. Die zementfreie Prothese wird oft bei jüngeren Patienten mit stärkerem Knochenmaterial eingesetzt.

Die verwendeten Materialien sind für den Körper gut verträglich und widerstehen für eine gewisse Zeit Korrosion, Degeneration und Abnutzung.

Bei der Operation selbst unterscheidet man zwischen der klassischen Methode und dem minimal-invasiven Verfahren, das schonender für die Patienten ist, da hier nur ein oder zwei kleinere Schnitte gesetzt werden müssen und die Muskulatur geschont wird. Daraus resultieren weniger postoperative Schmerzen, ein kürzer Klinikaufenthalt sowie eine beschleunigte Rehabilitation.

Vor dem Eingriff sollte ein umfangreicher Gesundheitscheck stattfinden. Blut- und Urinproben, ein EKG sowie zahlreiche orthopädische Tests für die Planung der Operation und die Herstellung der Prothese sind in diesem Rahmen unerlässlich. Die Haut im Hüft- und Oberschenkelbereich sollte infektionsfrei sein. Medikamente, die die Blutgerinnung hemmen, sollten 14 Tage vor dem Eingriff nicht mehr eingenommen werden. Sind Sie stark übergewichtig, kann es unter Umständen auch notwendig sein, Ihr Gewicht vor der Operation zu reduzieren um den problemlosen Zugang zu Hüft- und Oberschenkelknochen zu gewährleisten.

Da Sie in den ersten postoperativen Tagen und eventuell Wochen in Ihrer Mobilität stark eingeschränkt sein werden, ist es außerdem sinnvoll, sich für diese Zeit Hilfe im Haushalt und bei alltäglichen Abläufen wie Duschen/Baden zu organisieren.

 

 

Schultergelenkersatz
Für alle unsere täglichen Verrichtungen ist die Beweglichkeit unserer Arme und Hände eine unabdingbare Vorraussetzung. Die Bewerkstelligung des Alltags ist ohne diese Beweglichkeit nicht möglich.

Mit zunehmendem Lebensalter und erhöhten Belastungen, aber auch bei Erkrankungen entsteht eine fortschreitende Abnutzung der Gelenke. Es kann zum Gelenkverschleiß (Arthrose), entzündlich-rheumatischen Erkrankungen oder letztlich sogar einem Absterben des Oberarmkopfes und eingeschränkter Beweglichkeit des Schultergelenks kommen.

Mit einem künstlichen Schultergelenk bietet die moderne Orthopädie heute die Möglichkeit, bei fortgeschrittenem Gelenkverschleiß die Bewegungsfunktion der Schulter zu erhalten und den Betroffenen ein größtmögliches Maß an Schmerzfreiheit zu geben.

Das menschliche Schultergelenk besteht aus zwei Teilen: dem Gelenkkopf und der Gelenkpfanne. Ist der Gelenkkopf in entzündlicher oder nekrotischer Weise geschädigt, so ist es oft nötig, das Gelenk ganz oder teilweise zu ersetzen. Je nach Beschaffenheit des Knochens, wird der Gelenkkopf mit oder ohne Zement im Oberarmknochen fixiert.

Wenn Sie sich in Absprache mit Ihrem Arzt zum Ersatz des Schultergelenks entschieden haben, werden zunächst noch einige Untersuchungen mit Ihnen durchgeführt. Dazu gehören eine Blutuntersuchung, eine Röntgenuntersuchung und ein EKG. Für die Operation sollten Sie in guter Fassung sein; Rauchern wird dringend empfohlen, das Rauchen zu unterlassen. Sie sollen vor der Operation auf blutgerinnungshemmende Medikamente verzichten.

Je nach Methode und Umfang der Operation ist entweder eine Vollnarkose oder auch nur eine lokale Betäubung erforderlich. Der Eingriff dauert etwa 2-3 Stunden. Im Anschluss müssen Sie mit einem Klinikaufenthalt von 2-5 Tagen rechnen. In den ersten 4-6 Wochen ist das Tragen eines speziellen, schlingenartigen Verbandes erforderlich. Während dieser Zeit ist unter anderem auch das Autofahren (fast) nicht möglich. Eine leichte Berufstätigkeit ist nach 3-6 Wochen wieder möglich, falls es nicht um schwere körperliche Arbeit geht.

Nach dem Einsatz eines künstlichen Schultergelenks können Sie, bei fachgerechter Durchführung der Operation und gutem Wundheilungsverlauf, damit rechnen, dass Ihre Schmerzen aufhören oder zumindest stark zurückgehen. Der Bewegungsumfang des Schultergelenks nimmt in der Regel zu; wie groß dieser letzten Endes sein wird, hängt unter anderem auch davon ab, wie intensiv Sie Ihren physiotherapeutischen Übungen nachkommen. Das endgültige Ergebnis lässt sich frühestens nach 3-6 Monaten erkennen.



Bandscheibenprothese
Die Wirbelsäule ist im menschlichen Körper das wichtigste tragende Element. Sie sorgt auch für große Stabilität bei gleichzeitig maximaler Beweglichkeit. Ebenfalls kommt ihr eine wichtige Bedeutung bei der Versorgung des Körpers zu, da sie in ihrem Inneren, einem schützenden Wirbelkanal, das Rückenmark im von der oberen zur unteren Körperhälfte leitet.

Rückenschmerzen treten in unterschiedlichen Ausprägungen und Varianten auf. Aufgrund von degenerativen Veränderungen oder auch durch plötzliche Verletzungen kann der äußere Knorpelring der Bandscheibe reißen. Dies kann dazu führen, dass das weiche Knorpelgewebe des Kerns zu Teilen austritt und auf das Rückenmark im Wirbelkanal oder auf seitlich austretende Nervenwurzeln drückt. Abhängig davon, welche Nerven von der Kompression betroffen sind, kann es in der Folge zu Nacken- bzw. Rückenschmerzen, Sensibilitätsstörungen, motorische Störungen, Reflexsteigerung oder –minderung oder auch Verlust der Blasenkontrolle kommen.

Wenn die Symptomatik durch konservative Methoden nicht verbessert werden kann, vorangehende Operationen an der Bandscheibe keine Besserung erzielt haben oder wenn besonders starke Beschwerden vorliegen, kann ein operativer Ersatz der Bandscheiben in Betracht gezogen werden.

Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose. Nach der Entfernung der Bandscheibe wird die Prothese, die meist aus Metall und Kunststoff besteht, eingesetzt und an den angrenzenden Wirbelkörpern verankert.

Das Vorliegen eines noch frischen Bandscheibenvorfalls in nur einem Bewegungssegment bei ansonsten gesunder Wirbelsäule ist eine weitere günstige Voraussetzung für den Einsatz einer Bandscheibenprothese. Die Wirbelgelenke dürfen außerdem keine Degenerationserscheinungen aufweisen. Sie sollten nicht übergewichtig sein und auch nicht an Osteoporose leiden. Auch eine Skoliose verhindert die Durchführbarkeit der Operation. Die Voruntersuchungen wie eine Röntgenuntersuchung und eine Magnetresonanztomographie sollen durchgeführt werden. Zwei Wochen vor Ihrem Operationstermin sollen Sie auf die Einnahme bestimmter Medikamente verzichten. Dazu zählen insbesondere Medikamente, die die Blutgerinnung hemmen. Da Alkohol und Nikotin für einen positiven Heilungsprozess nicht förderlich sind, sollten Sie sich diese Stoffe bei der Operation ebenfalls nicht mehr in Ihrem Körper befinden.

Dieser Eingriff dauert zwischen drei und sechs Stunden. Im Anschluss müssen Sie mit einem stationären Aufenthalt von ca. zwei bis fünf Tagen rechnen. In den meisten Fällen kann noch am Tag der Operation eine erste Mobilisierung erfolgen. Bei Implantaten an der Halswirbelsäule sollte in den ersten 6 Wochen beim Fahren eine weiche Halskrause getragen werden. Bei Eingriffen an der Lendenwirbelsäule empfiehlt der Arzt bei einigen Patienten das Tragen eines Stützmieders für 6 Wochen.

Die weitere Nachbehandlung beinhaltet vor allem regelmäßige Krankengymnastik zur weiteren Stärkung der Wirbelsäule. Dies umfasst unter anderem Dehnübungen und Laufen. Häufig können nach etwa 6-8 Wochen die regulären Abläufe des täglichen Lebens wieder aufgenommen werden.




Vertebroplastie
Osteoporose ist die im Alter am häufigsten auftretende Erkrankung des Knochens, die durch eine geringe Knochenmasse und den übermäßig raschen Abbau von Knochensubstanz und –struktur gekennzeichnet ist. In der Folge der Krankheit sind einzelne Knochen oder auch das ganze Skelett anfälliger für Knochenbrüche (Frakturen). Die aus der Krankheit resultierenden Knochenbrüche treten insbesondere im Bereich der Wirbelsäule auf. Durch die fehlende Stabilität im Knochen und die auftretenden Schmerzen bei Knochenbrüchen ist die Lebensqualität von Osteoporosepatienten meist stark eingeschränkt.

Unter gewissen Voraussetzungen kann zur Linderung der Beschwerden eine Percutane Vertebroplastie durchgeführt werden. Dank dieses minimal-invasiven radiologischen Verfahrens können Wirbelkörperfrakturen stabilisiert und die Schmerzen in der Wirbelsäule deutlich reduziert werden. Wenn die Vertebroplastie rasch nach Entstehung der Fraktur durchgeführt wird und in Abwesenheit von Komplikationen kann mit Erfolgsquoten von 80-90% gerechnet werden, eine deutliche Schmerzlinderung oder gar komplette Schmerzfreiheit zu erzielen.

Die Stabilisierung der gebrochenen Wirbelkörper wird durch Injektion von Knochenzement in den Knochen erreicht. Dies geschieht mittels einer feinen Hohlnadel, die unter ständiger Durchleuchtungskontrolle in den Wirbelkörper vorgeschoben wird. Nach Injektion des Zements verhärtet dieser schnell unter Wärmeentwicklung und kräftigt so den Knochen von Innen heraus. Während einer Sitzung können so bis zu drei Wirbelkörper behandelt werden.

Der Eingriff erfordert lediglich eine lokale Betäubung in der Region der Eintrittsstelle der Hohlnadel sowie gegebenenfalls ein leichtes Schmerz- und Beruhigungsmittel. Im Anschluss an die Behandlung ist für einen gewissen Zeitraum Bettruhe einzuhalten. Auch empfiehlt sich ein eintätiger stationärer Klinikaufenthalt. Nach Entlassung aus der Klinik sollten in regelmäßigen Abständen Kontroll-CTs erfolgen. Auch die allgemeine Kontrolle der Osteoporose ist ein wichtiger Bestandteil der Nachbehandlung.

Im Vorfeld einer Vertebroplastie müssen Ihre Blut- und allgemeinen Laborwerte überprüft werden. Ihre Blutgerinnung sollte ungestört sein. Bitte klären Sie Ihren Arzt auch unbedingt über vorliegende Allergien sowie über Medikamente, die Sie regelmäßig einnehmen, auf. Wenn beispielsweise eine Allergie gegen eines der für das Verfahren notwendigen Komponenten besteht, ist der Eingriff nicht durchführbar. Auch sollte weder eine Entzündung des Knochens noch eine Entzündung der Bandscheibe vorliegen. Auch kann eine Magnetresonanztomographie (MRT) notwendig sein, um eindeutig zwischen einer osteoporotischen Fraktur und einer Fraktur aufgrund eines Tumorleidens zu unterscheiden.